Schon vor zehn Jahren haben wir uns an dieser Stelle die Frage gestellt, wann der fahrerlose Linienverkehr Realität wird – ein Blick auf unsere Frage des Monats aus dem Jahr 2016 (Frage des Monats Februar 2026: Autonom fahrende Busse: Wann fährt der ÖPNV von alleine?) zeigt jedoch, wie rasant sich die Vision von damals seither entwickelt hat. Während autonome Shuttles damals noch in streng begrenzten Arealen als Kleinbusse erprobt wurden, bewegen sich moderne Systeme heute in völlig neuen Dimensionen. Ein Meilenstein für diesen Fortschritt ist das Pionierprojekt „albus“ der ÜSTRA in der Region Hannover. Hier verkehrt ein vollautomatisierter Linienbus im realen Straßenverkehr und zeigt eindrucksvoll, dass die Technologie reif für komplexe urbane Umgebungen ist.
Was bedeutet „autonom“?
Zur Differenzierung der verschiedenen Automatisierungsgrade werden nach SAE J3016 weiterhin sechs unveränderte Level des autonomen Fahrens definiert. Level 4 und 5 stellen dabei die Stufen des echten autonomen – also primär vom System kontrollierten – Fahrens dar.
- Level 0: Keine Unterstützung.
- Level 1: Einfache Assistenzsysteme wie Tempomate o. ä. unterstützen den Fahrer.
- Level 2: Teilautomatisierung – komplexe Systeme übernehmen zeitweise Spur und Tempo wie bspw. Autobahnassistent.
- Level 3: Bedingte Automatisierung – das System fährt in bestimmten Situationen selbstständig, fordert den Fahrer bei Bedarf aber zur Übernahme auf.
- Level 4: Hohe Automatisierung – das Fahrzeug fährt in einem definierten Betriebsbereich komplett selbstständig.
- Level 5: Vollautomatisierung – das Fahrzeug fährt unter allen Bedingungen und auf allen Strecken komplett ohne menschliches Eingreifen.
Wo stehen wir heute?
Deutschland hat sich durch das Gesetz zum autonomen Fahren weltweit an die Spitze des rechtlichen Rahmens gesetzt, wodurch Level-4-Fahrzeuge im ÖPNV-Regelbetrieb rechtlich zugelassen sind. Auch technisch findet gerade der Sprung vom kleineren Shuttle zum Standard-Linienbus statt: Während in Hannover ein rund acht Meter langer Midibus den Mischverkehr meistert, rollen mittlerweile die ersten regulären 12-Meter-Stadtbusse im autonomen Testbetrieb. Großprojekte wie die Level-4-Stadtbus-Piloten von MAN in München beweisen, dass die komplexe Sensorik aus LiDAR, Radar und Kameras auch die Steuerung der schweren Großfahrzeuge absolut sicher beherrscht. Zwar überwacht aus Sicherheitsgründen oft noch eine technische Aufsicht das Geschehen, der Bus steuert jedoch autark.
Ausblick
Der flächendeckende Durchbruch von fahrerlosen Systemen im ÖPNV hängt heute weniger an der Technologie, sondern vielmehr an wirtschaftlichen Faktoren und dem anhaltenden Fachkräftemangel beim Fahrpersonal. Eine exakte zeitliche Prognose, wann herkömmliche Busfahrer komplett aus dem Straßenbild verschwinden, lässt sich aufgrund der komplexen Infrastrukturanpassungen und der hohen Investitionskosten für die Verkehrsbetriebe derzeit nicht seriös beziffern. Sicher ist jedoch, dass Level-4-Busse in den kommenden Jahren schrittweise feste Bestandteile von On-Demand-Angeboten und ausgewählten Liniennetzen werden, um die Mobilitätswende effizient zu stützen.
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