Die Wasserstoffbeimischung, also die Beimischung von kleinen Mengen grünen Wasserstoffs in das Erdgasnetz bietet einen sehr praktikablen Weg, um den Übergang zu einer klimafreundlicheren Gasversorgung einzuleiten. Außerdem kann dieser Weg zum Beispiel für Stadtwerke wirtschaftlich sehr interessant sein.
Zwei Wege für grünen Wasserstoff im Gasnetz
Grundsätzlich gilt: Damit das Gasnetz langfristig einen positiven Beitrag zum Klimaschutz leistet, darf es nur mit erneuerbaren Gasen betrieben werden – etwa mit Biogas, oder grünem Wasserstoff (siehe auch Frage des Monats Dezember 2024 – Wasserstoff-Kernnetz: Wie entstehen Netze?). Für die Übergangszeit bis zu diesem vollständigen Umstieg kann die Beimischung von Wasserstoff einen wertvollen Beitrag leisten.
Grenzwerte für den Anteil an Wasserstoff im bestehenden Gasnetz
Bei der Einspeisung von Wasserstoff ins Erdgasnetz gelten klare Grenzwerte, um die Sicherheit und Funktion bestehender Systeme zu gewährleisten. In Deutschland liegt der zulässige Wasserstoffanteil im allgemeinen Gasnetz derzeit bei maximal 10 %. In der Praxis sind aber auch manchmal deutlich niedrigere Werte von nur 1 % bis 2 % zulässig. Diese Grenzen richten sich zum Beispiel nach der Empfindlichkeit von Geräten und Industrieprozessen, die an das nachgelagerte Gasleitungsnetz angeschlossen sind. Beispielsweise dürfen bei Erdgastankstellen für Autos in der Regel nicht mehr als 2 % Wasserstoff beigemischt werden, da die Motoren für entsprechende Gasqualitäten ausgelegt sind.
CO2-Emissionen senken: jeden Tag ein bisschen mehr
Auch wenn Beimischungen von ein oder zwei Prozent auf den ersten Blick gering erscheinen, haben sie im großen Maßstab eine spürbare Wirkung. Bereits eine Beimischung von nur 1 % Wasserstoff entspricht bei einem jährlichen Erdgasverbrauch von rund 800 TWh in Deutschland etwa 240.000 Tonnen Wasserstoff. Schon dieser kleine Anteil kann einen sehr großen Beitrag zur CO2-Reduktion leisten. Je nach Nutzungspfad des Wasserstoffs im Gasnetz sind das zwischen 700.000 und 1.300.000 Tonnen CO2 pro Jahr in Deutschland. Und im Übrigen gilt: Jede eingesparte Tonne CO2 hilft. Es ist immer sinnvoller heute mit kleinen und praktikablen Schritten zu starten als an der „perfekten Lösung“ zu scheitern. Ziel muss sein, heute das mögliche zu tun und morgen den nächsten realistischen Schritt zur CO2-Reduzierung zu gehen. Bei dieser Art Infrastrukturmaßnahmen ist es immer unrealistisch sofort 100% zu erreichen. Neue Infrastruktur wächst immer schrittweise.
Wie lässt sich Wasserstoffbeimischung für Stadtwerke wirtschaftlich darstellen?
Für die Einspeisung von grünem Wasserstoff in das bestehende Erdgasnetz kommen grundsätzlich zwei Vergütungsmodelle infrage.
Eine Möglichkeit ist die öffentliche Förderung: Der Staat übernimmt dabei ganz oder teilweise die Mehrkosten der Einspeisung, etwa durch Zuschüsse, Einspeisevergütungen oder steuerliche Anreize.
Alternativ können die Mehrkosten, ähnlich wie beim Kostenmodell für grünen Strom oder Biogas-Tarife zahlungsbereite Kunden tragen. Dabei zahlen Haushalte oder Unternehmen, die bewusst „grünes Gas“ beziehen möchten, einen Aufpreis. Dieser basiert auf Herkunftsnachweisen, die sicherstellen sollen, dass ein bestimmter Anteil des gelieferten Gases aus grünem Wasserstoff stammt.
Fazit Wasserstoffbeimischung
Die Einspeisung von grünem Wasserstoff in das bestehende Erdgasnetz ermöglicht einen schrittweisen Einstieg in eine veränderte Gasversorgung. Auch geringe Anteile können im Gesamtsystem eine relevante Rolle spielen und tragen dazu bei, das Henne-Ei-Problem zwischen Erzeugung und Nachfrage zu überwinden. So wird ein leichter Markthochlauf der Wasserstoffproduktion unterstützt und eine Brücke zwischen heutiger Infrastruktur und zukünftiger Energieversorgung geschaffen.
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