Ja, die Wasserstoff-Beimischung ins Erdgasnetz kann bereits heute wirtschaftlich attraktiv sein. Für viele unbemerkt haben sich die regulatorischen und wirtschaftlichen Rahmenbedingungen in den vergangenen Jahren so verändert, dass sich das Produkt „grünes Erdgas“ inzwischen wirtschaftlich darstellen lässt. Unter geeigneten Randbedingungen sind dabei Umsätze von etwa 10 €/kg Wasserstoff realistisch.
Wasserstoff-Beimischung: Worum geht es genau?
Unter der Beimischung von Wasserstoff ins Erdgasnetz versteht man die Einspeisung von Wasserstoff in Konzentrationen von weniger als 100 %. In der Praxis werden dem Erdgas dabei beispielsweise 10 Vol.-% Wasserstoff (und/oder Biomethan) beigemischt.
Das zugrunde liegende Geschäftsmodell funktioniert ähnlich wie beim Bezug von grünem Strom: Gegen einen entsprechenden Aufpreis erhält die Kundschaft ein „grünes Gasprodukt“, bei dem dem Erdgas bilanziell ein definierter Anteil Wasserstoff zugerechnet wird. Die physische Lieferung erfolgt dabei – wie auch beim Ökostrom – nicht punktgenau, sondern bilanziell über das bestehende Gasnetz.
Das hat den großen Vorteil, dass der Wasserstoff an günstigen Standorten produziert werden kann und von der interessierten Gaskundschaft bundesweit genutzt werden kann.
Wer ist Kundschaft von grünem Gas?
Die Kundschaft für grünes Gas sind typischerweise Endkundinnen und Endkunden von Stadtwerken und Gasversorgern. Dazu zählen sowohl Industrie- und Gewerbekunden als auch Haushalte im privaten Bereich.
Physisch erhalten die Kundinnen und Kunden ihr Gas weiterhin wie gewohnt über die bestehende Gasinfrastruktur. Zusätzlich zum Gasbezug erhalten sie ein Zertifikat, das sie als Nutzerin oder Nutzer von grünem Gas ausweist und die entsprechende Wasserstoffmenge dokumentiert.
Wasserstoff-Beimischung: Wie hoch ist der Klimanutzen?
Der potenzielle Klimanutzen der Wasserstoff-Beimischung ist erheblich. Bereits bei einer Beimischung von nur 1 % Wasserstoff bezogen auf den gesamten deutschen Erdgasverbrauch ergibt sich ein Potenzial von mehr als einem Gigawatt Elektrolyseleistung.
Die tatsächliche CO₂-Einsparung hängt dabei vom jeweiligen Einsatzbereich des Wasserstoffs ab. Je nachdem, ob Wasserstoff im Wärmesektor, im Verkehr oder in industriellen Prozessen eingesetzt wird, unterscheiden sich die spezifischen Vermeidungseffekte.
Bei der Beimischung von Wasserstoff ins Erdgasnetz werden typischerweise etwa 0,20 kg CO₂ pro kWh Wasserstoff vermieden. Im Verkehrssektor kann die CO₂-Einsparung je nach Anwendung ungefähr doppelt so hoch ausfallen, da dort häufig fossile Kraftstoffe mit höheren Emissionen ersetzt werden.
Allerdings befindet sich der Verkehrssektor beim Einsatz von Wasserstoff derzeit noch in einer frühen Marktphase und weist bislang keine hohe Wasserstoffnachfrage auf. Bis dieser Markt deutlich wächst, kann die Nutzung von Wasserstoff im Erdgasnetz kurzfristig einen besonders wirkungsvollen Beitrag zur CO₂-Reduktion leisten und gleichzeitig den Aufbau von Elektrolysekapazitäten wirtschaftlich unterstützen.
Wasserstoff-Beimischung: Was ist wichtig für die Gasnetzbetreiber und die Projektplanung?
Vor dem Hintergrund, dass in den kommenden Jahren voraussichtlich Teile der heutigen Erdgasnetze stillgelegt werden, ist bei der Wasserstoff-Beimischung eine gezielte Auswahl geeigneter Teilnetze entscheidend. Investitionen sollten insbesondere dort erfolgen, wo eine langfristige Nutzungsperspektive besteht.
Für die Umstellung bietet sich ein stufenweises Vorgehen an. Wie die Grafik oben zeigt, kann die Entwicklung technisch und wirtschaftlich sinnvoll in drei Phasen erfolgen:
Erste Stufe: Ca. 1 (–2) Vol.-% Wasserstoff
Beimischungen in dieser Größenordnung können in der Regel ohne nennenswerte Ertüchtigungsmaßnahmen in nahezu jedem bestehenden Teilnetz umgesetzt werden.
Zweite Stufe: Ca. 10 (–20) Vol.-% Wasserstoff
Für höhere Beimischungsanteile sind je nach Netzstruktur und angeschlossenen Verbrauchern technische Anpassungen erforderlich.
Dritte Stufe: Perspektivisch 100 % Wasserstoff
Langfristig können ausgewählte Teilnetze vollständig auf Wasserstoff umgestellt oder direkt ans Wasserstoff-Kernnetz angeschlossen werden.
Dieses schrittweise Vorgehen bietet Netzbetreibern und Anrainern eine hohe Planungssicherheit. Investitionen in die Ertüchtigung eines Teilnetzes werden erst dann vorgenommen, wenn absehbar ist, dass das betreffende Netz langfristig weiterbetrieben wird.
Fazit
Die Wasserstoff-Beimischung kann für viele Stadtwerke und Gasversorger bereits heute ein wirtschaftlich tragfähiges Geschäftsmodell darstellen (siehe auch Frage des Monats Juli 2025, Wasserstoffbeimischung) bei dem sich Umsätze von ca. 10 €/kg Wasserstoff erzielen lassen.
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