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Heute haben wir zwei Gäste : Felix Keß-Krüger ist Geschäftsführer der Energieland Kreis Steinfurt eG Bürgerenergiegenossenschaft. Die Genossenschaft setzt Projekte im Bereich erneuerbarer Energien um und beteiligt die Bürgerinnen und Bürger an der Energiewende. Daniel Göcking arbeitet im Amt für Klimaschutz und Nachhaltigkeit des Kreises Steinfurt und ist in der Servicestelle Wärme, Effizienz und Wohnen tätig. Daniel und ich haben bereits den Podcast Folge 7 „Die Rolle der Kreise in der kommunalen Wärmeplanung“ aufgenommen.
In dieser Folge berichten Felix und Daniel, wie die Energieland Kreis Steinfurt eG entstanden ist und welche Vorteile Bürgerenergiegenossenschaften bei der Umsetzung von Projekten bieten. Außerdem erklären sie, wie Bürgerinnen und Bürger eigene Projektideen einbringen können und welche konkreten Mehrwerte sich daraus, insbesondere im Zusammenhang mit Wärmeprojekten, für die Menschen vor Ort ergeben.
Links:
Zusammenfassung der Folge
Genossenschaftlich zur Energiewende: Was der Kreis Steinfurt vormacht
In dieser Folge von »Wärmewende gemeinsam« (EMCEL) geht es um eine Struktur, die in der Wärmewende immer wichtiger wird: die kreisweite Bürgerenergiegenossenschaft. Felix Keß-Krüger und Daniel Göcking erklären, warum die Energieland Kreis Steinfurt Bürgerenergiegenossenschaft gegründet wurde, wie sie arbeitet und wo die Schnittstellen zur kommunalen Wärmeplanung liegen.
Im Zentrum steht die Idee, Bürgerinnen nicht nur „mitzunehmen“, sondern wirtschaftlich zu beteiligen – als Mitglieder, Mitentscheiderinnen und Mitfinanzierende von Projekten in Windenergie, Photovoltaik und perspektivisch auch Wärmeprojekten.
Was ist eine kreisweite Bürgerenergiegenossenschaft?
Die Genossenschaft wurde 2022/2023 gegründet, hat laut Gespräch über 2.000 Privatpersonen als Mitglieder und bindet außerdem Kommunen (einen Großteil der Kommunen im Kreis) sowie Stadtwerke ein. Investiert wird aktuell vor allem in Windenergie-Projekte und Photovoltaik-Projekte.
Mit Blick auf die Wärmewende rückt ein weiteres Feld nach vorn: Wärme als Thema „aus der kommunalen Wärmeplanung heraus“ – ausdrücklich technologieoffen und nicht auf eine einzelne Sparte begrenzt.
„Auch das Thema Wärme ist jetzt … im Zuge der kommunalen Wärmplanung verstärkt bei uns auf die Agenda gerückt.“
Der O-Ton markiert den Übergang: Von Stromprojekten hin zur Frage, wie Bürgerenergie auch Wärmenetze und lokale Wärmeversorgung mittragen kann.
Warum kreisweit statt nur „lokal“?
Im Gespräch wird „lokal“ bewusst weiter gefasst: Für die Genossenschaft ist auch der Landkreis ein lokaler Handlungsraum. Der Vorteil der kreisweiten Struktur liegt in mehr Flächen, mehr Projekten und mehr Menschen, die beteiligt werden können – als Ergänzung zu kommunalen Genossenschaften, nicht als Konkurrenz.
Wie der Kreis Steinfurt die Gründung angeschoben hat
Der Kreis Steinfurt war Initiator: Bereits Mai 2020 gab es einen politischen Prüfauftrag, wie eine kreisweite Genossenschaft aussehen kann (Akteure, Rechtsform, Gremien, geeignete Projekte). Der Kreis hat zudem eine Koordinationsstelle ausgeschrieben, ausdrücklich mit Auftrag für Bürgerbeteiligung und Gründungsprozess.
Das Ziel dahinter ist pragmatisch: Im Kreis gibt es mehrere Stadtwerke, aber nicht flächendeckend. Eine kreisweite Struktur soll Bürgerbeteiligung und Projektumsetzung auch dort ermöglichen, wo sonst niemand „automatisch“ zuständig wäre.
Konkretes Beispiel: PV auf einer kreiseigenen Schule
Ein greifbares Projekt aus der Kooperation: Die Genossenschaft hat das Dach einer kreisgetragenen Schule gepachtet und liefert den PV-Strom direkt an die Schule; Überschüsse werden eingespeist.
Solche Modelle sind politisch interessant, weil sie Eigenverbrauch, regionale Wertschöpfung und Beteiligung zusammenbringen – ohne dass die Kommune selbst Betreiberin werden muss.
Bürgerenergie als Standortfaktor: Erfahrung aus Bürgerwind
Der Kreis Steinfurt gilt als stark bei Bürgerenergie, insbesondere bei Bürgerwindprojekten. Genannt werden Leitlinien Bürgerenergie Steinfurt (inkl. Kriterien, Beteiligungshöhen, Zertifizierung) und ein langer Erfahrungshorizont. Außerdem wird beschrieben, dass Beteiligungsangebote teils „überzeichnet“ waren – also mehr Kapital angeboten wurde, als benötigt.
Schnittstelle zur kommunalen Wärmeplanung: Wärmenetze in dezentralen Gebieten
Die Folge macht die Brücke zur kommunalen Wärmewende deutlich: Wenn Wärmepläne Gebiete identifizieren, die sich für Wärmenetze eignen, stellt sich in dezentralen Räumen oft die Umsetzungsfrage. Hier kann die Genossenschaft als Trägerin, Finanziererin und Beteiligungsplattform wirken – gerade dort, wo keine Stadtwerke-Struktur greift.
„Kreise sind da jetzt nicht genannt und haben auch keine Aufgabe zugeschrieben bekommen.“
Der Satz (aus der Perspektive NRW) klärt die Zuständigkeiten – und betont zugleich: Auch ohne Pflicht kann eine Kreisstruktur die Umsetzung in Kommunen beschleunigen, indem sie Beteiligungs- und Projektfähigkeit bereitstellt.
Missverständnis „Genossenschaften dürfen keine Gewinne machen“
Im Gespräch wird ein verbreiteter Mythos korrigiert: Genossenschaften sind Kapitalgesellschaften und können Gewinne erzielen. Der entscheidende Unterschied liegt in der demokratischen Struktur: eine Stimme pro Mitglied, unabhängig von der Anzahl der Anteile. Wärmepreise seien nicht „automatisch“ am niedrigsten, aber Genossenschaften seien typischerweise auf faire Preise statt Gewinnmaximierung ausgerichtet – weil die Mitglieder selbst betroffen sind.
Wie Kommunen und Bürger*innen konkret andocken können
Die Genossenschaft beschreibt sich als offen für Ideen – von PV-Projekten bis zu Wärmeprojekten. Kommunen können mit einem Wärmeplan und einem konkreten Teilgebiet auf die Genossenschaft zukommen, um Umsetzbarkeit zu prüfen. Gleichzeitig lautet ein wichtiger Rat: Wenn es passende Genossenschaften bereits gibt, sollte man zuerst Kooperation prüfen, bevor man neu gründet (Gründung braucht Zeit, Expertise und Koordination).
FAQ zu Folge
Was ist die Energieland Kreis Steinfurt Bürgerenergiegenossenschaft?
Eine kreisweite Bürgerenergiegenossenschaft (Gründung 2022/2023) mit über 2.000 Mitgliedern, Kommunen und Stadtwerken, die in Wind und PV investiert und Wärme als neues Feld mitdenkt.
Warum eine kreisweite Struktur?
Weil sie mehr Flächen, mehr Projekte und mehr Beteiligte zusammenbringt und Kommunen ergänzt – besonders dort, wo keine flächendeckenden Stadtwerke-Strukturen vorhanden sind.
Was hat das mit kommunaler Wärmeplanung zu tun?
Wärmepläne identifizieren potenzielle Wärmenetzgebiete; Genossenschaften können in dezentralen Räumen Träger- und Beteiligungsmodelle für Wärmenetze werden.
Dürfen Genossenschaften Gewinne machen?
Ja. Entscheidend ist die demokratische Steuerung (eine Stimme pro Mitglied) und die Ausrichtung auf fairen Preis und regionale Wertschöpfung statt Gewinnmaximierung.
Wie können Kommunen oder Bürger*innen Kontakt aufnehmen?
Mit Ideen oder konkreten Flächen/Teilgebieten an die Genossenschaft herantreten; die Folge betont ausdrücklich Offenheit für Anfragen – auch von Kommunen.
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