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In dieser Folge ist Dominik Nachtsheim zu Gast. Er ist Klimaschutzmanager der Stadt Boppard. Gemeinsam mit den Verbandsgemeinden Hunsrück-Mittelrhein, Kastellaun, Simmern-Rheinböllen und Kirchberg erarbeitet die Stadt Boppard einen kommunalen Wärmeplan für den Rhein-Hunsrück-Kreis.
Wir sprechen darüber, was eine kommunale Wärmeplanung ist und wie sie erstellt wird. Wir tauchen ein in die Arbeit der Wärmewende im Rhein-Hunsrück-Kreis. Lernen die Besonderheiten und Möglichkeiten der Wärmeversorgung kennen und bekommen einen Eindruck davon, wie die Bevölkerung in die Wärmeplanung einbezogen wird.
Links für weitere Informationen zur kommunalen Wärmeplanung in Boppard:

Zusammenfassung des Podcasts
Wärmeplanung in Boppard: Strategischer Fahrplan für klimaneutrale Wärme im Rhein-Hunsrück-Kreis
Die Stadt Boppard erstellt gemeinsam mit den Verbandsgemeinden Hunsrück-Mittelrhein, Kastellaun, Simmern-Rheinböllen und Kirchberg eine kommunale Wärmeplanung für den Rhein-Hunsrück-Kreis. EMCEL begleitet das Projekt zusammen mit dem Unternehmen Hieten. Im Podcast »Wärmewende gemeinsam« erklärt Dominik Nachtsheim, Klimaschutzmanager der Stadt Boppard, wie der Plan entsteht, wie die Bevölkerung eingebunden wird – und was die Wärmeplanung (nicht) vorschreibt.
Was kommunale Wärmeplanung leistet
Kommunale Wärmeplanung ist ein strategisches Instrument, das Wege zu einer klimaneutralen und möglichst kostengünstigen Wärmeversorgung aufzeigt. Hintergrund ist das Ziel, Deutschland bis 2045 klimaneutral zu machen und im Wärmesektor aus Öl und Gas auszusteigen.
„…ein strategisches Instrument ist, eine klimaneutrale und möglichst auch kostengünstige Wärmeversorgung für alle zu entwickeln.“
Der Satz macht die Kernfunktion klar: Es geht nicht um Einzellösungen pro Haus, sondern um einen kommunalen Orientierungsrahmen, der Optionen sichtbar und planbar macht.
Typische Arbeitsschritte: vom Bestand zum Maßnahmenpaket
Die Folge beschreibt die klassischen Bausteine:
- Bestandsanalyse: Netze (z. B. Gas), heutige Verbräuche, Sanierungsstand, räumliche Muster.
- Potenzialanalyse: erneuerbare Wärme, Abwärme (Industrie), Biogas, Abwasserwärme, Solarthermie.
- Kartierung/Digitaler Zwilling: Zusammenführung in einer interaktiven Kartenbasis.
- Zielbilder und Ausstiegsfahrplan: Wo könnten Nahwärmenetze entstehen, wie gelingt der Ausstieg aus fossil?
- Öffentlichkeitsarbeit + Controlling: Kommunikation, Beteiligung, Fortschrittskontrolle.
Projektstand in Boppard: Bestandsanalyse fertig, Potenziale in Arbeit
Nachtsheim berichtet: Die Bestandsanalyse ist abgeschlossen, die Daten sind in den digitalen Zwilling eingepflegt. Aktuell läuft die Potenzialanalyse – inklusive Abstimmung mit Industrie, Landwirtschaft und weiteren Akteuren, um Wärmequellen und Wärmebedarfe räumlich zusammenzubringen.
Bevölkerung einbeziehen: Information, Beteiligung, Planungssicherheit
Boppard und die beteiligten Verbandsgemeinden setzen auf kontinuierliche Information: Webseiten-Updates, Mitteilungsblätter, Pressearbeit und soziale Netzwerke. Zusätzlich gab es bereits eine Abfrage, bei der Bürgerinnen und Bürger Verbräuche eintragen konnten. Später sollen Bürgerinformationsveranstaltungen Ergebnisse vorstellen und Rückmeldungen einholen.
Die Folge betont dabei eine Besonderheit der Wärmewende: Viele Entscheidungen liegen im Gebäude und Quartier – ohne Akzeptanz und Verständnis der Eigentümerinnen und Eigentümer bleibt die Umsetzung stecken.
Keine neuen Pflichten aus der Wärmeplanung – die Pflicht kommt aus dem GEG
Ein häufiges Missverständnis räumt Nachtsheim deutlich aus: Aus der Wärmeplanung selbst entstehen keine unmittelbaren Pflichten – weder für Bürgerinnen und Bürger noch automatisch für die Kommune (z. B. ein Wärmenetz bauen zu müssen).
„…Pflicht, die entsteht für die Bevölkerung, kommt aus dem Gebäudeenergiegesetz und nicht aus der Wärmeplanung.“
Wichtig für politische Kommunikation: Wärmeplanung schafft Orientierung und Optionen; die rechtliche Anforderung (z. B. 65 % erneuerbare Energien im Heizmix) wird über das Gebäudeenergiegesetz (GEG) relevant – in der Region spätestens 30.06.2028, in größeren Kommunen bereits Mitte 2026.
Regionale Chancen und Hürden: Bürgernetze, Autarkie, volatile Kosten
Besonderheit Rhein-Hunsrück-Kreis: Erfahrung mit erneuerbaren Energien und Nahwärme
Der Kreis gilt laut Nachtsheim als Vorreiter beim Ausbau erneuerbarer Energien – inklusive Bürger-Nahwärmenetzen. Positive Erfahrungen (auch finanziell, etwa in Zeiten knapper/teurer Energie) erleichtern die Debatten vor Ort.
Herausforderung: Kostensteigerungen im Tiefbau
Als zentrale Hürde nennt die Folge steigende Kosten im Tiefbaubereich. Das verschiebt Wirtschaftlichkeiten und macht Finanzierungs- und Betreiberkonzepte (inkl. externer Betreiber) wichtiger. Gleichzeitig wird betont, dass Kostenkataloge und Richtwerte in der Praxis stark schwanken können.
Schlüsselidee: lokale Akteure und tragfähige Beteiligungsmodelle
Bürgerenergiegenossenschaften und lokale „Kümmerer“ gelten als Vorteil, weil sie Vertrauen schaffen und Beteiligung organisieren. Genannt wird auch ein pragmatischer Ansatz: Leitungen nicht zwingend im Straßenraum, sondern – wenn rechtlich/organisatorisch möglich – auf privaten Grundstücken zu führen, um Hürden zu reduzieren.
Was nach dem Wärmeplan kommt: Priorisierung und Machbarkeitsstudien
Der Wärmeplan soll voraussichtlich Mitte nächsten Jahres politisch beraten und verabschiedet werden. Danach beginnt die Umsetzungsphase in der Praxis: Kommunen priorisieren besonders geeignete Teilgebiete („erfolgsversprechende“ Quartiere) und gehen in konkrete Planung – inklusive Wärmeerzeuger-Dimensionierung, Rohrmeter, Finanzierung und Abfrage der Anschlussbereitschaft.
Datenschutz: Daten nur anonymisiert und aggregiert
Datenschutz wird explizit adressiert: Kommunen sind durch das Wärmeplanungsgesetz überhaupt erst ermächtigt, bestimmte Daten zu erheben. Die Daten kommen anonymisiert und auf Aggregationsniveau (Blöcke), mit Durchschnittswerten aus mehreren Jahren; veröffentlicht wird nochmals höher aggregiert. Geschäftsgeheimnisse von Industriebetrieben sollen gewahrt bleiben.
„…wir bekommen die Daten … anonymisiert und auf einem gewissen Aggregationslevel… sodass man wirklich keine Rückschlüsse ziehen kann auf einzelne Gebäude.“
Für die Akzeptanz entscheidend: Der Plan arbeitet mit räumlichen Mustern und Durchschnittswerten, nicht mit „gläsernen Häusern“.
FAQ zur Folge
Was ist kommunale Wärmeplanung in einem Satz?
Ein strategischer Fahrplan, der zeigt, wie eine Kommune Wärme bis 2045 klimaneutral und möglichst bezahlbar organisieren kann.
Welche Schritte gehören zwingend dazu?
Bestandsanalyse, Potenzialanalyse, kartengestützte Auswertung (digitaler Zwilling), Szenarien/Maßnahmen, Öffentlichkeitsarbeit und Controlling.
Entstehen für Hausbesitzerinnen und Hausbesitzer neue Pflichten?
Nicht durch die Wärmeplanung. Pflichten ergeben sich aus dem Gebäudeenergiegesetz (u. a. 65 %-Vorgabe) – abhängig vom Zeitpunkt nach Abschluss der Planung.
Wie werden Bürgerinnen und Bürger informiert und beteiligt?
Über Webseiten, Pressearbeit, soziale Netzwerke, Datenerhebungen (z. B. Verbrauchsabfrage) und spätere Informationsveranstaltungen.
Wie wird Datenschutz gewährleistet?
Daten werden anonymisiert, aggregiert und später nochmals höher aggregiert veröffentlicht; keine Rückschlüsse auf Einzelgebäude, Geschäftsgeheimnisse bleiben geschützt.
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