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Heute haben wir Peter Remmen zu Gast. Peter arbeitet bei heatbeat. heatbeat ist Spezialist für die Simulation von Wärme- und Kältenetzen und hat einen eigenen digitalen Zwilling entwickelt.
Wir sprechen im Podcast über die Rolle der Digitalisierung in der Wärmeplanung und den Mehrwert eines digitalen Zwillings. Außerdem thematisieren wir die Unterschiede zwischen den verschiedenen digitalen Zwillingen, woran man einen guten digitalen Zwilling erkennt und worauf man bei der Ausschreibung aus Sicht einer Kommune zu achten hat.
Links:
Zusammenfassung der Folge
Digitaler Zwilling in der kommunalen Wärmeplanung: Warum Digitalisierung zum Umsetzungsfaktor wird
In dieser Folge von »Wärmewende gemeinsam« (EMCEL) spricht Gastgeber Momoko Kristuf mit Peter Remmen (Heatbeat) über die Rolle von Digitalisierung und digitalen Zwillingen in der kommunalen Wärmeplanung. Im Fokus: Wie Kommunen Daten strukturiert zusammenführen, warum Controlling/Monitoring ohne digitale Basis kaum funktioniert – und worauf man bei Ausschreibung und Datenformaten (GIS) achten sollte.
Was Digitalisierung konkret bringt: Daten strukturieren und Fortschritt messbar machen
Rem nennt zwei zentrale Vorteile der Digitalisierung in der Wärmeplanung. Erstens: Daten liegen oft verteilt bei unterschiedlichen Akteuren (Energiebedarf, Energieträger, Gebäudealter). Ein digitaler Ansatz bringt diese Informationen zusammen, macht Annahmen nachvollziehbar und erhöht Transparenz.
Zweitens: Digitalisierung ermöglicht automatisierte Prozesse. Statt immer wieder Excel-Tabellen zu verknüpfen, lassen sich Berechnungen wiederholen, Daten aktualisieren und Ergebnisse vergleichen. Das schafft ein strategisches Controlling, das prüft, ob die Umsetzung zu den gesetzten Zielen passt.
„…werden [Daten] strukturiert … zusammengebracht und in Verbindung gesetzt.“
Der O-Ton beschreibt den Kernnutzen: Wärmeplanung wird belastbarer, weil Zusammenhänge (z. B. Bedarf ↔ Energieträger) nicht mehr in Silos stecken, sondern systematisch auswertbar sind.
Für wen das relevant ist: Kommune, Versorger, Bürger*innen
Die Digitalisierung ist laut Rem nicht nur ein Kommunalthema. Bürger*innen profitieren, weil Informationen leichter zugänglich und verständlicher darstellbar werden. Energieversorger profitieren, weil Datenupdates (z. B. Energieverbräuche) mit weniger Reibung in die Planung einfließen können – idealerweise über Schnittstellen, die „maschinenlesbar“ sind.
Was ein „digitaler Zwilling“ ist – und was nicht
Der Begriff ist nicht geschützt und wird unterschiedlich verwendet. Rem definiert den digitalen Zwilling als digitales Abbild, das sich möglichst regelmäßig mit der Realität synchronisiert – etwa durch wiederkehrende Updates aus Versorgerdaten oder anderen Datenquellen. Entscheidend ist die Kombination aus Datenplattform, Prozessen/Analysen und Anbindung an aktuelle Realwerte.
GIS und digitaler Zwilling: Fundament vs. „Motor“
GIS (in der Folge als GISS/GIS angesprochen) wird als Daten- und Kartenbasis beschrieben: georeferenzierte Informationen strukturiert speichern und visualisieren. Ein digitaler Zwilling geht darüber hinaus, indem er auf dieser Basis (teil-)automatisierte Analysen, Ingenieur-Workflows und Update-Prozesse ermöglicht.
„…GISS … ist immer sozusagen das Fundament … Und der Unterschied … sind dann wirklich … die automatisierten Prozesse…“
Das Zitat hilft in Ausschreibungen: Karten allein reichen nicht, wenn später Monitoring, Fortschreibung und Umsetzungsvorbereitung erwartet werden.
Marktüberblick: Warum es „den einen“ digitalen Zwilling nicht gibt
Rem beschreibt unterschiedliche Schwerpunkte am Markt: Manche Systeme fokussieren auf kommunale Wärmeplanung, andere auf Betrieb (Wärmenetz oder Gebäude). Eine zentrale Empfehlung: Kommunen sollten die Wärmeplanung als Chance sehen, Software in einem geförderten Rahmen zu erproben – und danach weiterzuarbeiten, wenn sie passt.
Woran man einen guten digitalen Zwilling erkennt: offene Schnittstellen und Exportfähigkeit
Als wichtigstes Qualitätsmerkmal nennt Rem offene Schnittstellen und Interoperabilität: Daten sollen sich für Live-Anbindungen (Versorger), für andere Domänen (z. B. Abwasser) und für spätere Systeme öffnen lassen. Entscheidend ist außerdem, dass Ergebnisse nicht in PDFs „verenden“, sondern in standardisierten GIS-Formaten übergeben werden.
„…müssen in einem standardisierten Format, sprich Gistformat, wieder vorliegen.“
Der O-Ton ist ein konkreter Ausschreibungshebel: Wer Datenhoheit und Verstetigung will, braucht maschinenlesbare, wiederverwendbare Daten – nicht nur Berichte und Druckkarten.
Wenn Daten fehlen: kaufen, ableiten, Landesquellen nutzen
Die Folge benennt zwei pragmatische Wege, wenn kommunale Datenlagen unvollständig sind und Zeitpläne drücken: Daten zukaufen (über spezialisierte Anbieter) oder Bedarfe aus vorhandenen Informationen ableiten und verschneiden. Für NRW wird zusätzlich auf eine besonders günstige Lage durch verfügbare Landesdaten/Wärmekataster hingewiesen.
Ausschreibung und Projektlogik: Zeitplan realistisch, Preis nicht allein entscheiden lassen
Rem empfiehlt einen ambitionierten, aber realistischen Zeitplan – inklusive der „Auftraggeberpflichten“: Kommunen müssen Feedback geben, Akteure einbinden und mitarbeiten. Zu stark getriebene Zeitpläne gefährden Qualität, besonders bei Datenerhebung und Abstimmung.
Kritisch sieht er Ausschreibungen, in denen der Preis (nahezu) allein entscheidet. Gerade bei hohen Förderquoten könne es sinnvoller sein, Konzeptqualität und Vorgehen stärker zu gewichten, statt geringe Differenzen im Angebotspreis zum Hauptkriterium zu machen.
Durchgängigkeit bis zur Umsetzung: von Wärmeplanung über BEW-Machbarkeitsstudie bis Betrieb
Heatbeat betont als eigenes Profil die Durchgängigkeit über Lebensphasen eines Wärmeversorgungssystems: von der kommunalen Wärmeplanung über Machbarkeitsstudien (u. a. BEW) und Transformationspläne bis hin zur Betriebsoptimierung. Diese Kontinuität soll Doppelarbeit reduzieren, weil Daten und Modelle weitergenutzt werden können.
FAQ zu Folge
Was sind die zwei größten Vorteile der Digitalisierung in der Wärmeplanung?
Daten werden strukturiert zusammengeführt und transparent gemacht; außerdem ermöglicht Digitalisierung automatisierte Updates und Controlling statt wiederholter Excel-Workflows.
Was ist ein digitaler Zwilling im Kontext Wärmeplanung?
Ein digitales Abbild, das reale Daten möglichst regelmäßig synchronisiert und daraus Analysen, Prozesse und Fortschreibungen ableitet.
Worin unterscheidet sich GIS von einem digitalen Zwilling?
GIS ist die georeferenzierte Datenbasis (Karten/Datenbank). Ein digitaler Zwilling nutzt diese Basis zusätzlich für automatisierte Analysen, Schnittstellen und kontinuierliche Aktualisierung.
Was sollte in einer Ausschreibung zwingend drinstehen?
Dass erhobene Daten und Ergebnisse in standardisierten GIS-Formaten übergeben werden und exportierbar bleiben (Interoperabilität, keine Datenfalle).
Was tun, wenn wichtige Daten fehlen oder zu spät kommen?
Daten einkaufen oder Bedarfe aus vorhandenen Quellen ableiten/verschneiden; ergänzend können Landesdaten (wo verfügbar) den Einstieg deutlich beschleunigen.
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