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In dieser Folge ist Peter Remmen zu Gast. Peter arbeitet bei heatbeat. heatbeat ist Spezialist für die Simulation von Wärme- und Kältenetzen und erstellt u.a. Wärmeplanungen und Quartierskonzepte.
Wir sprechen heute über die Erfahrungen in der Wärmeplanung aus der Sicht eines Beratungsbüros. Es geht darum, wie die Wärmeplanung gemeinsam mit den Kommunen und den verschiedenen Akteuren erarbeitet wird, welche Herausforderungen es in der gemeinsamen Arbeit gibt und wie die Wärmeplanung anschließend umgesetzt und verstetigt werden kann.
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Erfahrungen aus der kommunalen Wärmeplanung: Was in der Praxis entscheidet
In dieser Folge von »Wärmewende gemeinsam« (EMCEL) geht es nicht um Theorie, sondern um den Beratungsalltag der kommunalen Wärmeplanung. Zu Gast ist Peter Remmen von Heatbeat, spezialisiert auf Simulation von Wärme- und Kältenetzen, Wärmeplanung und Quartierskonzepte. Im Gespräch wird deutlich: Ob ein Wärmeplan belastbar und umsetzbar ist, entscheidet sich vor allem bei Daten, Akteursmanagement und der Verstetigung nach der Abgabe.
Heatbeat in Zahlen: 14 Kommunen parallel
Heatbeat arbeitet laut Rem aktuell in 14 Gemeinden (teils als Verbandsgemeinden). Die ersten drei Wärmepläne sollen kurzfristig final übergeben werden, andere Projekte sind von der Bestandsaufnahme bis zur Maßnahmenentwicklung in unterschiedlichen Phasen.
Zusammenarbeit mit Kommunen: Motivation hilft, Strukturen entscheiden
Die Folge zeichnet ein positives Bild der Kooperation: Häufig sind Klimaschutzmanager*innen die zentralen Schnittstellen, unterstützt durch regelmäßige Online-Termine (oft im Zwei-Wochen-Rhythmus) und Workshops vor Ort, um Ergebnisse einzuordnen und weitere Schritte abzustimmen.
Gleichzeitig prallen in der Wärmeplanung unterschiedliche Wissensstände aufeinander: Stadtwerke und Netzplanerinnen sind oft „tief drin“, während andere Akteursgruppen (Verwaltung, Wohnungswirtschaft, Bürgerinnen) erst in die Materie hineinfinden. Das erhöht den Bedarf an verständlicher Übersetzung technischer Ergebnisse.
Die größte Hürde: Datenaufnahme und Datenqualität
Die wichtigste Praxiserfahrung ist laut Rem wiederkehrend: Datenbeschaffung dauert fast immer länger als gedacht. Daten kommen aus vielen Quellen (Energieversorger, Netzbetreiber, Schornsteinfeger, Kläranlage, Industrie) und liegen je nach Kommune unterschiedlich strukturiert vor (Straßenabschnitte vs. aggregiert nach Adressgruppen).
„Für die kommunale Wärmeplanung geht so dieses alte Software Prinzip: Garbage in, Garbage out.“
Der O-Ton bringt die Logik auf den Punkt: Ohne belastbare Datenbasis werden Szenarien, Potenzialanalysen und Maßnahmengebiete schnell zur Scheingenauigkeit. Deshalb betont Rem die Rolle von Dienstleister*innen, Daten zu bewerten, zu plausibilisieren und – wenn nötig – nachzuschärfen.
Warum das politisch relevant ist
Wer Wärmeplanung politisch bewertet, sollte den Daten- und Abstimmungsaufwand realistisch einpreisen. Ein „früher Zwischenstand“ ist nicht automatisch ein „schlechter Zwischenstand“ – oft fehlen schlicht entscheidende Datensätze oder die Aggregation passt noch nicht.
Typische Lösungslogik: Wärmenetz oder Einzelversorgung
Die Folge beschreibt die Grundstruktur vieler Wärmepläne: Kommunen werden in Teilgebiete gegliedert, die entweder netzgebunden (Ausbau/Neubau eines Wärmenetzes) oder Einzelversorgung (gebäudenahe Lösung) nahelegen.
Wärmenetzgebiete: Quellen, Dichte und Baukosten zusammendenken
Für Wärmenetze zählen vor allem Bedarfsdichte, Trassen- und Verlegungskosten sowie eine günstige erneuerbare Wärmequelle in räumlicher Nähe. Genannt werden typische Quellen wie Abwärme, Kläranlagenwärme oder Reststoffe aus der Holzindustrie (z. B. Sägewerk). In innerstädtischen Lagen können die Kosten je Meter stark steigen, weshalb die Erzeugungsseite besonders wirtschaftlich sein muss.
Einzelversorgungsgebiete: Wärmepumpe – aber mit realistischem Pfad
Als präferierte Option wird die Wärmepumpe genannt. Entscheidend ist jedoch ein Transformationspfad, der Gebäuderealität abbildet: In modernen Gebäuden kann eine Wärmepumpe oft ohne große Zusatzmaßnahmen funktionieren; bei unsanierten Beständen aus den 1960/70ern wird häufig eine Kombination aus Sanierung und Übergangslösungen notwendig.
Ein konkretes Beispiel aus der Folge: Wärmepumpe installieren, den bestehenden Gaskessel für Spitzenlast zunächst behalten, später nach energetischer Sanierung vollständig ersetzen. Das vermeidet Schwarz-Weiß-Botschaften und erhöht die Anschlussfähigkeit für Beratung und Förderlogik.
„Das wird flächendeckend nicht der wirtschaftlichste Fall sein, Gebäude … zu heizen.“
Der Satz fällt im Kontext Wasserstoff: In der Folge wird Wasserstoff in der Gebäudeheizung klar als Randthema eingeordnet, nicht als flächiger Standardpfad. Für politische Kommunikation ist das ein Hinweis, Erwartungen früh zu justieren und Prioritäten nachvollziehbar zu begründen.
Verständlichkeit ist kein „Nice to have“, sondern Umsetzungsvoraussetzung
Rem beschreibt die Herausforderung, technische Ergebnisse so aufzubereiten, dass sie bei unterschiedlichen Zielgruppen ankommen. Wärmeplanung braucht Ingenieurpräzision, muss aber in kommunizierbare Kernaussagen übersetzt werden – sonst entstehen Missverständnisse, etwa zur Frage „Müssen wir jetzt sofort Heizungen tauschen?“.
Als praktischer Ansatz werden Typgebäude genannt: Statt zehntausende Gebäude einzeln zu erklären, werden fünf bis sechs typische Fälle gebildet, die Bürger*innen wiedererkennen und auf die sich Transformationspfade verständlich beziehen lassen.
Verstetigung und Controlling: Warum der digitale Zwilling zum Kerninstrument wird
Die Folge kritisiert den klassischen Worst Case: ein fertiger Wärmeplan als PDF, Daten in Excel und lokalen Dateien, nach fünf Jahren beginnt alles wieder bei null. Stattdessen wird der digitale Zwilling als Daten- und Fortschrittsplattform beschrieben, mit der Kommunen Veränderungen über Jahre nachvollziehen und Auswertungen wiederholen können.
„Immer Ziel von uns ist es nicht, irgendein Papierdokument zu erzeugen … sondern … diese Datenbasis weiter zu pflegen.“
Der O-Ton markiert den Perspektivwechsel: Wärmeplanung endet nicht mit der Übergabe, sondern braucht Monitoring, Datenpflege, regelmäßigen Soll-Ist-Vergleich und aktive Kommunikation mit der Bevölkerung – besonders in Einzelversorgungsgebieten.
Rolle der Kommune: Beratung als Umsetzungsmotor
Die Folge betont die Kommune als erste Anlaufstelle: Menschen werden den Wärmeplan selten „aktiv studieren“. Deshalb werden Beratungsangebote, Energieberatung, Förderhinweise und lokale Umsetzungsrollen (z. B. Quartiersmanagement) als zentrale Hebel genannt.
FAQ zu Folge
Warum dauert die Datenaufnahme in der Wärmeplanung oft länger als erwartet?
Weil Daten aus vielen Quellen kommen und je nach Kommune unterschiedlich strukturiert vorliegen. Beschaffung, Aggregation und Plausibilisierung kosten Zeit.
Was sind typische Ergebnisgebiete in einem kommunalen Wärmeplan?
Meist eine Aufteilung in netzgebundene Versorgung (Wärmenetz-Ausbau/Neubau) und Einzelversorgung auf Gebäudeebene.
Wie werden Einzelversorgungsgebiete realistisch geplant?
Über Transformationspfade, die Gebäudetypen unterscheiden (z. B. Wärmepumpe sofort vs. Wärmepumpe plus Sanierung, Übergang mit Spitzenlastkessel).
Welche Rolle spielt Wasserstoff in der Folge?
Wasserstoff wird als Randoption eingeordnet, nicht als wirtschaftlicher Standard für flächige Gebäudeheizung.
Warum ist ein digitaler Zwilling für die Verstetigung so wichtig?
Er hält Daten konsistent, ermöglicht Vergleiche über Jahre und unterstützt Monitoring, Controlling und transparente Kommunikation.
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